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Gewis­sens­fra­ge

Zur Zeit bin ich auf Woh­nungs­su­che. Ich habe einer­seits die Opti­on, in eine WG zu zie­hen, wobei sich die Suche eini­ger­ma­ßen schwie­rig gestal­tet: die meis­ten Zim­mer sind zwar ziem­lich güns­tig, aber dafür müss­te ich sie mir mit einer ande­ren Per­son tei­len. Ich schlie­ße die Mög­lich­keit zwar nicht aus, doch noch ein Ein­zel­zim­mer zu fin­den, aber sicher ist das nicht.

Auf der ande­ren Sei­te könn­te ich sofort bei einer Fami­lie ein­zie­hen, die aller­dings einen statt­li­chen Preis für das (rela­tiv klei­ne) Zim­mer ver­langt. Dafür wür­de ich aber in einer Top­ge­gend woh­nen, mit Pool auf dem Dach, Essen und Waschen inklu­si­ve, und mit: Haus­mäd­chen. Und das ist auch der Nach­teil. Wie mir auf­fiel, wur­de die Arme lieb­los her­um­kom­man­diert, mit wenig Inter­es­se an ihrer Person.

Ich könn­te also zwar so ganz pri­ma – auf beque­me Art und Wei­se – die hier­ar­chi­schen Gesell­schafts­struk­tu­ren der Argen­ti­ni­er beob­ach­ten, wäre aber selbst ein Teil der Sei­te, zu der ich eigent­lich nicht gehö­ren möchte.

Gret­chen­fra­ge.

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Zeit­ver­schie­bung

Ich war auf einen Geburts­tag ein­ge­la­den. Um 18.30 Uhr ging es los. Abge­se­hen davon, dass alle (außer uns Deut­schen und der Ame­ri­ka­ne­rin) zu spät kamen, wur­de Kuchen, Snacks und kein Alko­hol ser­viert. Um Mit­ter­nacht ver­ab­schie­de­ten sich alle. Ich wun­der­te mich, weil die Argen­ti­ni­er sonst eigent­lich ger­ne, lan­ge und aus­ge­las­sen fei­ern, und wur­de auf­ge­klärt. Es han­del­te sich um einen Kaf­fee-und-Kuchen-Geburts­tag, und die meis­ten Gäs­te wür­den wohl noch wei­ter­zie­hen, um dann wo anders zu Abend essen. Ich mer­ke schon, die Uhren ticken hier anders.

Auch sonst kann man hier nicht mit deut­schen Zeit­ver­hält­nis­sen mes­sen. Wenn man sich zu einer bestimm­ten Uhr­zeit ver­ab­re­det, kann man gene­rell eine Stun­de drauf­le­gen und ist dann immer noch zu früh. Und von 13–17 Uhr geht hier gar nichts, man darf auch nie­man­den anru­fen, denn dann ist Sies­ta. Aber dafür endet der Abend dann auch garan­tiert nicht vor Mitternacht.

Und Bus­fahr­plä­ne? Gibts hier nicht. Fes­te Zeit­blö­cke an der Uni? Nö. Noch bin ich pflicht­be­wusst, aber wun­dert euch nicht, wenn ich nach mei­ner Rück­kehr zeit­lich etwas fle­xi­bler gewor­den bin.

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Die Welt ist verrückt!!!

Beim deut­schen Stamm­tisch ges­tern abend sind mir (min­des­tens) zwei Ver­rückt­hei­ten begegnet:

  1. Es gibt Leu­te (also Argen­ti­ni­er), die so ger­ma­no­phil sind, dass sie alles über Deutsch­land, sei­ne Kul­tur und Spra­che wis­sen, obwohl sie noch nie da waren. So zum Bei­spiel Sebas­ti­an, der per­fekt Deutsch spricht, mich über die deut­sche Pop­kul­tur auf­ge­klärt hat, und ab Sep­tem­ber mit Sack und Pack nach Deutsch­land zieht, um dort auf Lehr­amt (Phy­sik und Mathe!) zu studieren.
  2. Ich traf Uwe, der aus beruf­li­chen Grün­den hier in Tucumán ist. Und für wel­che Fir­ma arbei­tet er? Für eben­die, bei der ich selbst schon seit Jah­ren mei­nen Feri­en­job mache.

Ver­rückt!

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Abend­essen mit Mönchen

Ges­tern waren wir bei einem Vor­trag eines deut­schen Phi­lo­so­phie­pro­fes­sors an der katho­li­schen Uni­ver­si­tät UNSTA. Es ging um den reli­giö­sen Aspekt in den Wer­ken des Phi­lo­so­phen Josef Pie­per. An der UNSTA sind sowohl Mön­che als auch nicht-zöli­ba­t­ä­re Ange­hö­ri­ge, mit Bru­der Juan und einem Pries­ter, sowie dem Pro­fes­sor, sind mei­ne Prak­ti­kums­be­auf­trag­te und ich danach noch Essen gegan­gen. Es war ein äußerst lus­ti­ger Abend, mit erhel­len­den Dis­kus­sio­nen in drei ver­schie­de­nen Spra­chen und wir wer­den mit dem Kon­vent in Kon­takt bleiben.

Sons­ti­ge End­rü­cke, die ich bis­her habe:

  • OH MEIN GOTT, WIE LECKER IST DAS RINDFLEISCH HIER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
  • Es gibt vie­le Stra­ßen­hun­de, die aber nicht gefähr­lich sind, einer schö­ner als der ande­re (wirk­lich eine Schan­de). Am liebs­ten wür­de ich einen mitnehmen.
  • Beim Stra­ße über­que­ren in alle Rich­tun­gen sehen. In alle Richtungen.
  • Das Essen ist wahn­sin­nig gut und die Essen­kul­tur ist auch über­aus gesel­lig (gemein­sa­me Vor­spei­sen, jeder pro­biert von jedem, usw.).

Und außer­dem stel­le ich fest: wenn ich nach vier Mona­ten kein Spa­nisch kann, habe ich etwas falsch gemacht. Man hat hier prak­tisch kei­ne Mög­lich­keit, Gesprä­chen zu ent­ge­hen, vor allem wenn die Tucu­ma­nos mit­be­kom­men, dass man Aus­län­de­rin ist.

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Ange­kom­men

Der Anflug auf Bue­nos Aires

Dass der Rio de la Pla­ta unglaub­lich dre­ckig ist war mein ers­ter Ein­druck beim Lan­de­an­flug auf Bue­nos Aires. Nach 13 h Flug, davor schon 12 h Auf­ent­halt in Frank­furt und noch­mal davor wie­der 2 h Flug, bin ich schließ­lich doch gut in Argen­ti­ni­en gelan­det. Das ers­te spa­ni­sche Gespräch, das ich gleich dar­auf führ­te, war mit einem Bus­fah­rer, der mich für muy lin­da hielt. Ich mag die Argentinier.

Der 70. Geburtstag

Als ich in Tucumán ankam, ging es sofort wei­ter auf den 70. Geburts­tag der ehe­ma­li­gen Fakul­täts­de­ka­nin, zu dem ich als neue Prak­ti­kan­tin auch ein­ge­la­den war. 70. Geburts­tag, das bedeu­tet eigent­lich vie­le älte­re Men­schen, gedämpf­te Stim­men, melan­cho­li­sche Anspra­chen – in Deutschland.

Anders in Argen­ti­ni­en. Hier bedeu­tet das eine hüp­fen­de Men­schen­men­ge von 0–99 Jah­ren, sin­gen­de und tan­zen­de Leu­te und viel Geläch­ter (das Gan­ze garan­tiert nicht unter 150 Dezi­bel). Ich wur­de allen vor­ge­stellt und eins wur­de schnell klar: die Leu­te hier sind uuuuuuun­heim­lich freund­lich, offen und hilfsbereit.

Ein Wan­gen­kuss ist hier die übli­che Begrü­ßung, egal ob man sich kennt oder nicht. Obwohl ich dank 40-stün­di­ger Rei­se müde und hin­über war und auch auf ein­mal kein Wort Spa­nisch mehr ver­ste­hen und spre­chen konn­te, freu­ten sich alle, dass ich da war und beach­te­ten mei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­män­gel nicht wei­ter. Ganz  im Gegen­teil: die Leu­te freu­ten sich sogar über die drei Wör­ter, die ich dann am Ende doch hervorstammelte.

Dies soll erst­mal nur ein klei­ner Sta­tus­be­richt sein, detail­lier­te­re Mel­dun­gen fol­gen dem­nächst. Alles in allem schät­ze ich, dass die nächs­ten vier Mona­te ein abso­lu­tes tol­les und unver­gess­li­ches Erleb­nis wer­den – es hat zumin­dest schon­mal gut ange­fan­gen. Und Spa­nisch wer­de ich danach defi­ni­tiv auch kön­nen, da die Argen­ti­ni­er alles ande­re als unkom­mu­ni­ka­tiv sind.