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Heim­su­chung Besuch

Gleich kom­men mei­ne Mut­ter und mei­ne Schwest­i­ta in Cór­do­ba an. Natür­lich nur, wenn der Puy­e­hue sich end­lich ein­kriegt und auf­hört, Lava und Rauch aus­zu­spu­cken. Von unse­ren Erleb­nis­sen dort berich­te ich euch in Kürze.

So lan­ge könnt ihr euch ja mal die­ses schö­ne Video anschauen.

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Gedan­ken zur Sprache

Eng­lisch ist am Anfang ein­fach zu ler­nen, wird aber dann mit fort­schrei­ten­der Sprach­kom­pe­tenz immer schwie­ri­ger. Denn je bes­ser man die Fein­hei­ten erkennt, des­to auf­fäl­li­ger erschei­nen einem die klei­nen Unter­schie­de, die die rich­ti­ge Wort­wahl ausmachen.

Im Spa­ni­schen ist es mei­ner Mei­nung nach umge­kehrt. Am Anfang muss man sich erst­mal durch die gan­zen Kon­ju­ga­tio­nen quä­len: Es gibt zwar auch nur einen Prä­sens, dafür aber zwei Future, drei Ver­gan­gen­heits­for­men (das Plus­quam­per­fekt nicht ein­ge­rech­net) und von den meis­ten Zei­ten auch noch eine Form im Sub­jun­tivo (die Aspekt­form, die Unge­wiss­heit aus­drückt) plus das Kon­di­tio­nal. Die meis­ten der Zei­ten gibt es im Fran­zö­si­schen zwar auch, doch im Fran­zö­si­schen hört man beim Spre­chen den Unter­schied zwi­schen den Per­so­nen nicht, man kann also rich­tig spre­chen, ohne die kor­rek­te Schreib­wei­se zu kennen.

Hat man sich beim Spa­ni­sch­er­werb aber erst ein­mal die Kon­ju­ga­tio­nen ein­ge­prägt, wird es ein­fa­cher: Vor allem bei den Ver­ben benutzt man näm­lich nur einen begrenz­ten Wort­schatz. Mit

  • ser/estar (sein, sich befinden)
  • ir (gehen, funk­tio­nie­ren, Auxiliar)
  • venir (kom­men)
  • salir (eine Bewe­gung aus etwas heraus)
  • sacar (kann gene­rell immer ver­wen­det werden)
  • poner (set­zen, stel­len, legen)
  • hacer (machen, tun)
  • haber (haben, geben)
  • tener (haben)
  • deber (müs­sen, schulden)
  • que­rer (wol­len)
  • lle­var (neh­men)
  • dejar (las­sen)

kommt man schon sehr weit, da sämt­li­che Phra­sen, Wen­dun­gen und Aus­drü­cke mit die­sen Ver­ben gebil­det wer­den. Die spa­ni­sche Spra­che ist in die­ser Hin­sicht also wenig kreativ.

Das macht sie aber durch ihre Viel­falt an Regio­na­lis­men wett; für fast jedes All­tags­wort, das man in einem ibe­ro­zen­tris­ti­schen Sprach­kurs lernt, gibt es in jedem latein­ame­ri­ka­ni­schen Land – teil­wei­se sogar regio­nal – ein Äqui­va­lent. So sagt man hier nicht coche son­dern auto, nicht dine­ro son­dern pla­ta, nicht pata­ta son­dern papa.

Ganz sub­jek­tiv kann ich sagen, dass ich das Spa­ni­sche zwar sehr mag, weil es eine schö­ne Spra­che ist und ich mich dar­in auch wohl füh­le. Lie­ben tu ich aber Englisch.

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Argen­ti­ni­sche Heiztechnik

Da es in der sub­tro­pi­schen Zone Tucumáns im Win­ter nur weni­ge kal­te Wochen gibt, und selbst in denen gehen die Tem­pe­ra­tu­ren eigent­lich nie unter null Grad, sind die Woh­nun­gen auch nicht mit Hei­zun­gen aus­ge­stat­tet. Trotz­dem kann es  – nicht zuletzt wegen der hohen Luft­feuch­tig­keit – recht unge­müt­lich frisch sein.

So auch zur Zeit bei uns in der Woh­nung. Aber mei­ne Mit­be­woh­ner wis­sen sich zu hel­fen, denn wie wird geheizt? Ein­fach den Gas­ofen anma­chen und die Ofen­tür offen­las­sen. Und das seit bereits fünf Stunden!

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Fast schon flüs­si­ge Luft

Eine klei­ne Demons­tra­ti­on, damit ihr euch vor­stel­len könnt, wie die Wet­ter­ver­hält­nis­se hier so sind:

Ich sit­ze gemüt­lich im Bett und esse zu Mit­tag, da sehe ich, dass es beim Aus­at­men aus mei­nem Mund her­aus­dampft. Mich wun­dert das, denn mein Essen ist eigent­lich gar nicht so heiß. Doch auch ohne Nudeln im Mund dampft es beim Hau­chen. Ein Blick auf das Hygro­me­ter sagt mir, dass wir heu­te 75% Luft­feuch­tig­keit haben. Das ist für tucu­ma­ni­sche Ver­hält­nis­se eigent­lich nicht hoch, aber anschei­nend tun die nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren ihr übriges.

Ist aber halb so schlimm, denn außer bei Aus­at­men hat es kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Kör­per. Der Wäsche gehts da schon schlech­ter, sie braucht vier Tage zum Trocknen.

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Aus­rei­se­rin

Die Rei­se aus­ge­rech­net nach Sant­ia­go de Chi­le hat­te meh­re­re Vor­tei­le: Ich konn­te mein 90-Tage-Tou­ris­ten­vi­sum für Argen­ti­ni­en erneu­ern und lern­te die Fami­lie eines Freun­des ken­nen, denn bei ihr ver­brach­te ich die paar Tage in der 5‑Mil­lio­nen-Haupt­stadt.

Schon die Hin­fahrt war mal wie­der ein beson­de­res Erleb­nis. Auf der Land­kar­te scheint die Stre­cke gar nicht so lang, aber man fährt zunächst ein­mal von Tucumán nach Men­do­za – 12 Stun­den im Nacht­bus – und danach sind es von Men­do­za nach Sant­ia­go immer noch 6 Stun­den quer über die Anden.

Für ein paar Euren mehr habe ich mich in die Ers­te Klas­se des Nach­bus­ses ein­ge­bucht. Wer sich die First Class im Flug­zeug nicht leis­ten kann, soll­te das auch mal aus­pro­bie­ren, denn schlech­ter als im Flie­ger war es mit Sicher­heit nicht. Wir wur­den von oben bis unten betü­delt, man zeig­te wie­der Fil­me, zum Abend­essen gab es ein Drei-Gän­ge-Menü mit Sekt und Wein. Und auf den best­ge­pols­ter­ten Sit­zen der Welt, die sich fast waag­recht aus­klap­pen las­sen, schläft es sich sogar ver­hält­nis­mä­ßig angenehm.

Fährt man von Men­do­za nach Chi­le, muss man auf 2200 m Höhe am Grenz­über­gang „Los Libert­ado­res” vor­bei. Das ist einer der unan­ge­nehms­ten Arbeits­or­te für Grenz­be­am­te, und auf­grund der Höhe, der Käl­te und der Abge­schie­den­heit sind sie dort immer nur einen Monat sta­tio­niert. Bei der Ein­rei­se nach Chi­le müs­sen übri­gens stren­ge Ein­fuhr­be­stim­mun­gen beach­tet wer­den, denn es gibt dort kei­ne Frucht­flie­gen, und das soll dank Ein­fuhr­ver­bot von orga­ni­schen Mate­ria­li­en (Äpfel, Tee, Was­ser, Holz, usw.) auch so bleiben.

Der Name „Los Libert­ado­res” (Die Befrei­er) kommt von den Män­nern – dar­un­ter Gene­ral San Mar­tín – die Anfang des 19. Jahr­hun­derts den sel­ben Weg über die Anden mar­schiert sind, um in den Schlach­ten von Chaca­bu­co und Maipú die Unab­hän­gig­keit Chi­les und Argen­ti­ni­ens zu erkämp­fen. An die­sem Wis­sen kommt hier nie­mand vor­bei, denn in jeder Stadt sind die Stra­ßen gleich benannt, sodass es immer die Cal­les San Mar­tín, Batal­la de Chaca­bu­co und Maipú gibt; qua­si die Bahn­hofs­stra­ße Südamerikas.

In Sant­ia­go de Chi­le muss man dann Glück haben, dass man einen Tag ohne Smog erwischt. Das hat­te ich natür­lich nicht, als wir auf den Cer­ro San Cris­tó­bal fuh­ren, und so blieb mir die spek­ta­ku­lä­re Sicht auf die Andenket­te ver­wehrt. Dafür gab es als Kom­pen­sa­ti­on aber auf dem Gip­fel mal wie­der – welch Wun­der – eine vir­gen zu bestau­nen. Ins Zen­trum konn­te ich an die­sem Tag nicht, denn der 21. Mai Sant­ia­gos ist der 1. Mai Ber­lins; wäh­rend der Prä­si­dent sei­nen Jah­res­be­richt vor­trug, gab es in der Innen­stadt gewalt­tä­ti­ge Pro­tes­te und bren­nen­de Autos.

Sonn­tags nahm mich die Fami­lie mit auf einen Aus­flug ans Meer. Es war wirk­lich schön, nach all den Ber­gen auch mal wie­der Was­ser zu sehen. Viña del Mar und Val­pa­raí­so sind Rück­zugs­or­te an der Pazi­fik­küs­te, in die sich die San­tia­gu­i­nos vor dem Smog flüch­ten. Ers­te­rem fehlt als geho­be­ner Tou­ris­ten­ort aller­dings der Charme, den der Künst­ler­ort Val­pa­raí­so mit sei­nen tau­send Hügeln und sei­nen in allen Far­ben der Welt gestri­che­nen Häu­sern aufweist.

Am Mon­tag hat­te ich wie­der kein Glück, da auch in Chi­le die Muse­en mon­tags zu sind und ich so im Zen­trum nur ein beschränk­tes Ange­bot an Zer­streu­ung fand. Trotz­dem konn­te ich ein biss­chen umher­lau­fen und einen Ein­druck von Sant­ia­go bekommen.

Über­haupt ist Chi­le – oder wenigs­tens Sant­ia­go – eine Mischung aus Deutsch­land und den USA. Wer ger­ne nach Süd­ame­ri­ka rei­sen möch­te, sich aber nicht so rich­tig traut, soll­te dort­hin fah­ren. Die Ähn­lich­keit fällt in vie­len Details auf: Den glei­chen Stra­ßen­schil­dern (Auto­bahn­schil­der sind blau), der ähn­li­chen Men­ta­li­tät (es wird um 19 Uhr geges­sen), der gut aus­ge­bau­ten Infra­struk­tur und dem Vor­han­den­sein von Fahr­plä­nen, den hohen Prei­sen sowie der All­ge­gen­wart von eng­li­schen Begrif­fen im Bild der Stadt. Das ist wahr­schein­lich nicht in ganz Chi­le so, aber Sant­ia­go ist auf jeden Fall eine Abwechs­lung zum Durch­ein­an­der Argen­ti­ni­ens. Im Ver­gleich zu Sant­ia­go ist Argen­ti­ni­en wirk­lich ein Drit­te-Welt-Land. Was aber auch dort vor­herrsch­te, war die Bewun­de­rung der euro­päi­schen und deut­schen Kul­tur und die Bli­cke und Kom­pli­men­te, die man als blon­de Frau bekommt.

Ins­ge­samt war es eine schö­ne Rei­se, die Fami­lie des Freun­des hat mich auf­ge­nom­men wie ein Fami­li­en­mit­glied und bestä­tig­te das latein­ame­ri­ka­ni­sche Kli­schee der unein­ge­schränk­ten Gast­freund­schaft­lich­keit. Zum Abschied bekam ich zwei Tafeln Scho­ko­la­de „Sah­ne-Nuss” (im Ernst, das steht da drauf) und eine Fla­sche Pis­co, der Natio­nal­schnaps der Chi­le­nen, geschenkt. Als wäre mei­ne Beher­ber­gung nicht schon Geschenk genug gewesen!